Australien Melbourne, Food und Wein Festival, der zehnte Tag

Am zehnten Tag meiner Weinverkostungen sollte es mich in Melbourne auf eine Food and Wine Festival Veranstaltung führen, welches auch eine Verkostung der Weingüter anbietet, die sich rund um Melbourne in den letzten Jahrzehnten so angesammelt haben. Die interessanten Fakten vorneweg, und dann will ich auf die Verkostungen derjenigen Weingüter eingehen, die ich dort besucht hatte. Bei einem Eintritt von 55 NZ $ war die Besucherzahl einigermaßen übersichtlich, und man kam gut an die Verkostungstische heran. Das Ganze fand im Freigelände vor dem Kongresszentrum statt, und nannte sich „City Cellar“. Es waren so ca. 60 Weingüter vertreten, am Eingang bezahlt, und dann gab es dieses heutzutage obligatorische farbige Arnbändchen und ein Plastikglas mit Aufdruck des Sponsors.

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Melbourne_F&W_Fest_Plastikglas
Nun gut, so richtig anfreunden wollte ich mich mit dem Plastikbecher erst einmal nicht, doch es gab tatsächlich keine Alternative. Dann legte ich erst einmal los die verschiedenen Stände zu erkunden, und da es noch recht früh zu Beginn der Veranstaltung war, konnte ich mir einen gewissen Überblick verschaffen. Die Stände unterschieden sich vom Grundaufbau nicht wirklich voneinander, nur einige Anbieter hatten gewisse Banner oder mehr Material am Stand, woran man ein wenig die Größe des Weingutes erkennen konnte. Im Laufe des Nachmittages war dann aber auch klar, das ein buntes Sammelsurium an Anbietern zugegen war, die zum Teil erst vor nicht einmal 10 Jahren mit der Eigenvermarktung der angebauten Weine begonnen hatten. Also auch hier – Marketing ist fast alles.

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Ich machte mich also auf eine erste Runde, wo ich erst einmal nur die weißen Traubensorten verkosten wollte. Die Beschreibungen der einzelnen Weingüter werde ich aber zusammenfassen, wenn ich weiße und rote Sorten an einem Stand im zeitlichen Abstand zueinander verkostet habe.

Melbourne_F&W_Fest_Gehrig
Es beginnt mit einem Weingut mit Namen John Gehrig, welches im Gebiet des King Valley und in Rutherglen 2 Weingüter betreibt. 1860 von den Vorfahren gegründet wird es heute in der 5ten Generation von der Familie geführt. Ich verkostete einen Chenin Blanc und einen Riesling die beide recht orentliche Struktur aufwiesen, sowie bei den roten Sorten einen Pinot Noir sowie einen Cuvée aus CS und Merlot aus 2010, der etwas vordergründig aber mit voller Struktur gute Noten auswies.

Melbourne_F&W_Fest_St_Leonhard
Dann ein Weingut St. Leonards, ein Weingut in Wahgunyah, im Gebiet Victoria, welches ca. 3 Stunden nördlich von Melbourne gelegen ist. Hier habe ich nur die 2 weißen der Sorten Semillon und Sauvignon Blnac verkostet, und mir die roten später gespart.

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Dann ging es zu einem Weingut mit recht jugendlichem Auftritt und sehr frischem Marketing. Dal Zotto, oder auch geschrieben Dalz Otto, was mit bei Nachfrage nicht klar war, woher diese Schreibweisen kamen. Auch hier werden wie bei vielen anderen Weingütern rund um Melbourne die Sparkling Weine erzeugt, welche aber mit ganz unterschiedlichen Trauben erzeugt werden. Mal sind es SB, auch PG oder Riesling, selbst der PN oder auch auf Friuli muß mal für die prickelnde Seite herhalten. Die weißen Sorten hatte ich mir bei Dalz Otto nicht so richtig notiert, dafür waren es bei den roten erst einmal ein Cuvée aus Sangiovese mit 64% und ein CS aus 36%, welcher mit einer sehr runden Frucht und leicht daherkam, sowie ein Barbera, der mit feiner Gewürznote nach Szechuan Pfeffer und schöne Frucht überzeugen konnte. Dann ging es zu einem Weingut, das mich besonders beeindrucken konnte.

Das Weingut Warramunda aus dem Gebiet des nördliche Yarra Valley, welches mit 60 Acres (ca. 24 ha) zunächst einmal sehr interessante Traubensorten anpflanzt, und dazu auch noch einige sehr schön ausgebaute weiße und rote Wein in die Flasche bekommen hat. Das Weingut wurde von der Familie 2007 erworben, und 2013 konnte der erste selbst erzeugt Wein auf den Markt gebracht werden. Bei den weißen habe ich einen Marsanne aus 2014 mit 6 Mon. im Barrique verkostet (16/20) und einen Viognier mit sehr feinen Würznoten am Gaumen. Bei den roten Sorten ging dann die Post ab.
Warramunda_Halliday
Als erstes ein PN aus 2013, sehr schöne Nase, mit einer super komplexen Struktur und ein Spiel am Gaumen, der mich zu einer Benotung von (17-18/20) verführte. Dann ein Syrah aus 2014 der mit einer sehr feinen Frucht super lange am Gaumen verweilen sollte. Langer Nachgang (16+/20). Dann ein CS der zu 100% entrappt wird aus 2013. Sehr frische Frucht mit ausgewogener Struktur und langem Abgang bei leicht pfeffriger Note. (16+/20) Zum Abschluß ein Viognier aus 2013, der 14-18 Monate auf der Hefe im Holz ausgebaut wird und als spät gelesene Traube als Süßwein eine sehr feine Struktur aufweisen konnte.

Melbourne_F&W_Fest_Lome
Das nächste Weingut lautete auf den Namen Lome, welches im Gebiet Central Victoria liegt und ich bei den weißen Sorten einen Cuvée aus Roussanne, Marsanne und Viognier verkosten konnte. Feine kräftige Nase. (16/20) Bei den roten gab es einen Shiraz aus 2013 der recht süße Noten aufwies, und sonst auch etwas fruchtig im Abgang war. (16+/20)

Auch das nächste Weingut mit einem sogenannten Zuwanderer-Namen Scotchman Hill. Das Weingut liegt im Gebiet Bellarine Peninsula, welches sich im Südwesten von Melbourne befindet.Hier konnte ich zuächst einen SB aus 2014 verkosten der mit einer leichten Süße und mittlerer Struktur versehen war (15/20). Der Chardonnay aus 2013 hatte schon eine kräftige Nase, würzig, weniger Frische, aber eine recht feine Struktur. (16+/20) Die Roten hatte ich dort dann ausgelassen.

Serengale_analisse
Als nächsten Stand steuerte ich ein Weingut an, welche so ca. auf der halben Strecke zwischen Melbourne und Canberra liegt. Also bereits weit im Landesinneren, wo das Meer kaum mehr einen Einfluß auf das Klima der Weingärten haben dürfte. Die Region heißt Beechworth und das Weingut sollte Serengale heißen. Der Chardonnay aus 2012, welcher für 8 Monate im Barrique lagert und dann 1 Jahr auf der Flasche nachreift, hatte sehr kräftige und feine Würznoten mit Zitrus und einer schönen Frische, eine sehr feine komplexe Struktur und einem langen Abgang. /17+/20) Hier zeigte sich einmal mehr, das es sich sehr lohnen kann, die Weine nicht gleich nach einem halben Jahr und direkt abgefüllt auf den Markt zu bringen, was der Geschmacksvielfalt oft einiges wegnimmt.

Zum guten Schluß hier noch eine Beschreibung eines Weingutes, welches seine Ursprünge bei italienischen Einwanderern hat, aber erst seit dem Jahr 2000 seine eigenen Weine unter dem Namen Vinea Marson vermarktet. Das Weingut hat 100 Acres (ca. 40 ha) und liegt in Central Victoria bei der Ortschaft Heathcote. Bei den weißen Sorten konnte ich den Prosecco versuchen, der eine schöne frische Note aufwies. Dem Prosecco  wird bei der Weinbereitung ein wenig Pinot Bianco hinzugefügt, und dann endgültig vergoren, und versecktet. Eine weiterer weißer Tropfen ist der Grazia, der ein Cuvée aus Friulano, Pinot Bianco, Malvasia und Picolit. Eine recht dunkle Farbe nicht dichten Noten. Ein gute Struktur mit recht trockenen Anklängen, welche sich insgesamt sehr positiv auf den Geschmack eines solchen Cuvées auswirken. (16+/20)

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Dann ging es in der zweiten Runde zu den roten Sorten, welche hier besonders interessant erschienen, da nicht nur internationale Trauben sondern eher typisch italienische Sorten angepflanzt werden.

Der erste ein Sangiovese aus 2011 weist feine Kräuternoten mit einer leichten Säure auf. Er hat insgesamt eine mittlere Dichte (16/20). Von den Sangioveses werden einige verschiedene Klone angebaut, so die Beschreibung des Weingutes in Ihrer kleinen Faltbroschüre, welche bei fast allen Weingütern auf eine gewisse Art an Infomaterial zu finden war.

Dann ein Syrah aus 2011 dem noch ca. 7% Viognier bei der Weinbereitung zugegeben wird. Eine schöne ausgewogene Struktur, etwas wenig Frische. Hatte notiert „die leichte Seite seiner Art“ bei leichten Tanninen. (15/20)

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Und dann gab es noch einen Nebbiolo aus 2010 der aus drei verschiedenen „Sorten“ laut Beschreibung hergestellt wird. Lampia, Michet und Rosé. Diese werden getrennt ausgebaut, für bis zu 50 Tage auf der Maische vergoren, und dann 24 Monate im kleinen und großen Holz soweit ausgebaut, das die Weine auch erst recht spät auf die Flasche kommen. Meine Notzen dazu: Schon recht dunkle Farbe an den Rändern, sehr schöne frische Fruchtnoten und helle Struktur. (15+/20)


 

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