Bordeaux Weinreise, der zweite Tag mit drei Weingütern im St. Emilion und Pomerol

Das rechte Ufer, welches so in Bordeaux genannt wird, weil es rechts des Flussufers liegt, war heute das erste Ziel der kleinen Weingruppe mit 9 Personen wo wir die 3 folgenden Weingüter besuchten:
Chateau Bernateau im St. Emilion
Chateau de Sales im Pomerol
Chateau Haut-Segottes im St. Emilion
Los geht es nach einer knapp einstündige Fahrt vom Hotel in Bordeaux im Chateau Bernateau, welches seit 2012 als biologisch zertifizierter Betrieb auf 28 ha Wein anbaut. Weiterhin gehört zur Familie ein Weingut in der Region Libourne, welches Chateau Tour Peyronneau heißt. Das Wetter war schön, und die Ernte im Weingut war im vollen Gange, was wir sogleich bei Ankunft auch direkt erleben konnten. RoteTrauben wurden in kleinen Kisten auf dem Traktoranhänger angeliefert und sogleich auf den vorbereiteten Weg der Verarbeitung gebracht. In den Trichter zum entraten, dann wurden die Trauben durch den Laser gejagt und auf dem Sortiertisch nochmals mit manueller Handarbeit aussortiert.

So sieht so eine Laser-Aussortiermaschine aus, welche per Luftdruck die „schlechten“ und sonst nicht zu verarbeitenden Anteile der Ernte sozusagen „herausblasen“.  Die Winzerin, welche uns auch die Führung und Verkostung präsentierte, zeigte uns dann die guten Trauben.

Im Weinkeller gab es dann für mich eine Neuigkeit, welche ich in den Kellern des Bordeaux bisher nicht so gesehen hatte. Die großen Cuves, welche direkt nach der Traubensortierung zur Vermischung der Trauben verwendet werden, hatten über die gesamte Höhe der Holzfässer einen transparenten Bereich von ca. 12-15 cm Breite, welcher den Blick auf den Inhalt der gesamten Weintrauben und den Saft, der bereits zum Teil begonnen hatte zu gären, frei gab.


Dann ging es zur Verkostung der 4 Weine aus den beiden Weingütern der Familie, welche insgesamt eine ordentliche Qualität zeigten und die Gruppe erst einmal für den frühen Vormittag beschwinglich hinterließ.
Es gab einen 100% Merlot von Ch. Tour Peyronneau aus 2015 der mit mittlerer Bewertung bei mir ausfiel. Dann gab es einen 2012er von alten Reben, welcher mit einer Cuvetierung von 85% Cabernet Franc und 15% Merlot etwas untypisch, aber mit schönen Aromen sich zeigte und eine elegante Nase zeigte.

Dann wurde uns eine „blind“ gemachte Flasche serviert, die sich später als ein 2010er Ch. Bernateau herausstellte, welcher sich mit sehr feinen Noten und Frische zeigte, wobei gute Frucht mit Kirsch und feinen Noten präsentierte. (17/20)
Zum guten Schluß gab es noch einen leicht gealterten 2001er Ch. Bernateau, welcher schon leicht oxidativ daherkam, aber immer noch mit leichter Frische und eingekochten Früchten sich zeigte.


Dann ging es zum nächsten Weingut von Chateau de Sales, wo wir auch im Weingut unseren Mittags-Lunch erhalten sollten. Chateau de Sales besitzt ca. 90 ha, wobei 42 ha mit Wein bepflanzt sind. Auch Ch. de Sales besitzt ein weiteren Weingut mit dem Namen Chateau Chantalouette. Berichtet wurde uns das zum ersten Mal ein Weingutsdirektor die Geschäfte führt, der nicht aus der Familie stammt. Es werden pro Jahr ca. 200 – 250 Tsd. Flaschen produziert, welche wohl auch verkauft werden. Da allerdings das Wetter im Jahr 2017 in den letzten April Tagen und Anfang Mai so problematisch in Bezug auf Fröste war, hat das Weingut ca. 80% der Ernte in 2017 verloren. Da wir so um die Mittagszeit eintrafen, konnten wir hier unseren Lunch einnehmen und dazu auch dann die drei Weine verkosten, die für die Gruppe zur Verfügung standen.

Der erste Wein sollte ein roter aus dem zweiten Weingut Ch. Chantalouette aus 2013 sein, der ein Cuvée aus Merlot, Cabernet Franc und Cabernet Sauvignon darstellte. Ein leichter Wein mit wenig Säure und guter Frucht.

Dazu gab es gebratene Jakobsmuscheln mit Quinoa und Rotwein, Parmesan und Tomaten Tatar.

Dann folgte ein Ch. de Sales aus 2014 der ein Cuvée aus 74% Merlot, 20% Cabernet Franc und 6 % Cabernet Sauvignon bestand. Mit einer schönen Gewürznote paßt er sehr fein zum servierten Rindfleisch und kommt auch noch mit einer gewissen Fruchtnote daher.

Das Gericht dazu:
Filet de boeuf sauce morillon avec ses pommes de terre grenailles à l’ail.

Gut zusammengestellt mit dem Wein und passend zum gut gebratenen noch rosa Rinderfilet.
Dann folgt, klassischerweise wie fast immer in Frankreich bei einer Menüfolge der Käseteller.

Schöne Auswahl aus 4 verschiedenen Käsesorten welche nicht zu kalt und gut gereift auf dem Teller sich mit dem Salat zeigten.
Zum Dessert dann ein Ch. de Sales aus 2008 der eine Mischung aus 79% Merlot und 15% CF und 6% CS besteht. Dichte Nase mit feiner Würze, sehr ausgereift, vordergründig und am Gaumen mit fruchtiger Süße und Ausgewogenheit.


Das dritte Weingut an diesem Tag sollte dann Chateau Haut Segottes sein, welches bereits seit 1850 besteht und mit seinen gerade einmal 9 ha Gesamtanbaufläche 60% Merlot und 40% Cabernet Franc anbaut. Auch hier gab es in 2017 durch die Frostprobleme im Frühjahr ca. 50% Ernteverlust. Wir waren auch hier zufällig am letzten Tag der Ernte im Weingut, was uns in den drei Tagen mehrfach begegnete. Für die Tage Ende September recht früh im Jahr.

Nach einem kurzen Rundgang durch Keller und Weinaufbereitung geht es zur Verkostung der drei Weine, bzw. hier des einen Weins, welcher hier produziert wird, aus drei Jahrgängen. Wir verkosten Ch. Haut Segottes 2014, 2013 und 2011.
Los geht es mit dem Jahrgang 2014 der sich aus 60% Merlot und 40% Cabernet Franc zusammensetzt. Gute Tannen am Gaumen mit Pflaumennoten, feine Säureanteile mit leicht spitzen Noten. (15/20)
Der 2013 er Jahrgang war ein recht schwieriger Jahrgang in Bordeaux was mit 30% Verlust bei der Ernte sich seinerzeit zeigte. Hier zeigen sich weniger Tannen aber mit einer sehr feinen Fruchtnote und leichter Säure wirkt er schon recht ausgereift und trinkreif. (15,5/20)
Schließlich kommt der 2011er ins Glas, der mit einer sehr dichten Nase und sehr schönen und feinen Frucht und leichten Säure Noten mit hellen Tönen sich präsentiert. (16,5/20)

Und nach der Verkostung wird noch ein Faß gelüftet, welches sich ständig neben uns zeigte, aber durch die Abdeckfolie nicht einsehbar war. Hier waren frisch Trauben eingemaischt, welche sich in einem schlichten Barrique Faß befanden, also nicht in einem großen Holzfass, sonder einfach in einem Barrique, wo eines der seitlichen Böden entnommen wurde. Hatte ich so zum ersten Mal gesehen, das sich die Maischevergärung in einem neuen Barrique vollzieht.

So endete der Tag mit einigen neuen Entdeckungen und Erkenntnissen über Bordeaux Weine aus der Region und kleinen wie auch großen Winzern. Santé!



 

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