Bordeaux Weinreise, der dritte Tag: Pessac-Leognan und Sauternes

An diesem dritten Tag sollten es wieder drei Weingüter sein die wir mit Verwüstungen und einem Mittagslunch besuchen sollten.
In der Region Peaac-Leognan:
Chateau la Tour Martillac
Chateau Haut-Bailly
Im Sauternes:
Chateau Suduiraut
Los ging es mit dem von einem Deutschen Namens Kressmann um 1884 gegründeten Weingut, welches als eines von 6 klassifizierten Weingütern im Graves für weiße und rote Trauben steht.

Auf 60 ha Weinbaufläche werden ca. 80% rote und 20% weiße Trauben angepflanzt. Auch hier gab es in 2017 herbe Verluste durch die Fröste im Frühjahr was so beziffert wurde, das es bei weißen Trauben 50% weniger, und bei roten Trauben 30% weniger zu ernten gab. Wir waren an diesem späten Septembertag genau am letzten Erntetag auf dem Weingut und konnten noch beobachten, wie die Ernte bei noch trockener Witterung auf dem Hof des Guten aussortiert wurde.
  
Wir machten mit der kleinen Gruppe eine Tour durch die Keller und Weinlagerstätten, welche über die Jahre wohl gewachsen sind und inzwischen wird ach ein weiteres Weingut betrieben mit dem Namen Chateau Langte, welches auch im Graves liegt. 
Hier in denn Barriquekellern konnte schön an einem Faß beobachtet werden, wie sich ein Weißwein mit seiner Hefe entwickelt und sich die Sedimente nur langsam auf den Boden setzen. Das Faß wurde dazu auf der Seite nicht mit Holz, sonder mit einer durchsichtigen Plexiglasscheibe geschlossen, und so kann man sich vom Fortgang der Hefeentwicklung überzeugen. Ist aber nur zu Demonstrationszwecken eingesetzt. Nach diesem Rundgang ging dann zur Verkostung in einen Seitenflügel des Weingutes was sich mit 2 roten und 2 weißen Weinen fortsetzte.
Bei den roten von Ch. La Tour Martillac gab es einen 2014er und einen 2012er Jahrgang.
2014 zeigt sich mit sehr dichter und dunkler Farbe und kräftiger Säure am Gaumen aber
etwas weniger Abgang und leicht pfeffrig mit spitzen Säurenoten (16,5/20)
Der 2012 dann mit einer recht eleganten Nase und feiner Struktur, leicht verschlossen mit feinen Tannieren und guter Frucht bei mittlerem Abgang. (17+/20)
Die beiden weißen Verkostungsmuster waren zunächst der Zweitwein mit Lagrave aus 2016, welcher 70% SB und 30% Semillon beinhalte. Feine Nase mit leichten Zitrusfrüchten. Am Gaumen dann merkwürdig mit wässigen Noten, später Fruchtansatz im Abgang und ein wenig Säure, so als wäre dieser weiße auch auf dem Weg sich zu schließen oder schon zu verabschieden? (14/20)
Der 2013 dann mit der gleichen Cuvetierung wie 2016. Feine Nase mit Bananennoten, frische grüne Früchte und Pfirsichnoten. Auch hier vordergründig ein wenig wässrig und dann kommt die Säure mit leichten grünen Noten. (15/20)


Dann geht es mit einer kurzen Fast zum Chateau Haut-Bailly, welches ich bereits vor ca. 7 Jahren zu einer Verkostung einmal besucht hatte, aber diesmal sollten wir hier auch unser Mittagessen erhalten und durften im Schloss tafeln, denn hier ist nicht nur eine Küche gut eingerichtet, sondern zum ständigen Personal gehör auch eine ganz Küchencrew.

Auch hier war an diesem Freitag der letzte Tag der Ernte zu Ende des September bereits recht früh eingeläutet worden, denn sonst wurde im Bordeaux in manchen Jahren noch Mitte bis Ende Oktober geerntet um die Trauben auch wirklich reif in den Keller zu bekommen. Das Wetter in 2017 war aber im Sommer zum Teil über Wochen so warm und heiß, das die Trauben einige Wochen früher reif wurden. Hier in Haut-Bailly wird noch recht klassisch in alten Beton Cuves vergoren, was auf den Weingütern recht unterschiedlich gesehen wird, aber selbst manch alteingesessene Weingüter wie Chevalereskeren Blanc haben in Ihren neuen Kellern auch wieder, in moderner Form, sich Betoncuves herstellen lassen, was wir am nächsten Tag auch im Margaux nochmals sehen sollten auf Prieuré-Lichine.

Die Verkostung fand also in Begleitung des Essens statt und somit folgten wir dem Guide auf die Terrasse des Schlosses, wo es erst mal einen Begrüßungstrunk Champagner von Pol Roger gab. Dann folgten verschiedene Amuse Geule, welche mit einer wunderbaren Profiterolle begannen:

Dann ein Löffel mit feinen kleinen Zutaten und einer Crevette obenauf:

Gefolgt von einem Minitartelette mit Creme und Radieschen:

Paßte wunderbar zum Champagner der durchaus auch nochmal nachgeschenkt wurde.
Dann ging es ins Schloss, was bei dem schönen Spätsommerwetter zwar fast schade war, denn draußen auf der Terrasse ließ es sich so recht gut sitzen, palavern und die Köstlichkeiten genießen.

Ein sehr schön gedeckter Tisch, was so in einem Schloss dann auch angemessen ist, begrüßt uns in der Runde und wir suchen uns jeder einen entsprechenden Platz aus.

Der erste Wein zum Essen ist dann der Zweitwein von Ch. Haut-Bailly mit Namen La Parade Haut-Bailly aus 2011. 55% Merlot und 45% CS.
Dicht Nase, sehr weich und warm mit schöner kräftiger Fruchtnote und feiner Säure. Guter Abgang frisch und fein. (16+/20)
Dazu gibt es dann eine Foie Gras welche nicht nur gut dazu paßt, sondern auch vorzüglich angebraten ist.

Dann folgt der Gran Von des Ch. Haut-Bailly aus 2011 und somit haben wir den direkten Vergleich einmal hier zu verkosten, was den Unterschied zwischen Zweitwein und Grand Vin aus dem gleichen Jahrgang auf einem großen Chateux ausmachen. 45% CS und 55% Merlot.
Sehr dunkle Farbe und Nase, feine Noten nach Pilzen und Waldboden, sehr schöne Fruchtnoten, dunkel und gute Dichte am Gaumen mit feinen Abstufungen und elegantem Abgang. (17-18/20)
Dazu gibt es ein Wild mit Gemüse und fein abgestimmter Sauce und Feigen:

Das Finale folgt dann mit einem Ch- Haut-Bailly aus 2008, wo ich sehr gespannt war, denn der Jahrgang 2008 wird of verkannt, da er nicht ein wirklich großer Jahrgang ist, aber immer wieder überraschen kann. Ich habe mir notiert: Eine sehr feine Nase mit viel dunkler Frucht, Gut im Vordergrund, etwas leichter im Abgang, was vielleicht auf den Jahrgang zurückzuführen ist, aber der Gesamtstruktur des Weines keinen Abbruch tut. (18+/20)
Zum Dessert gab es dann noch eine Karamel-Créme welche nicht weiter kommentiert werden muß, aber sonst auch fein schmeckte.

Hier die Flaschen der Verkostung:


Und dann ging des auf einer etwas längeren Fahrt vom Pessac-Leognan in die südlichen Bereiche von Sauternes ins Chateau Suduiraut. Hier wird primär Süßwein produziert, was sich aber in den letzten Jahrzehnten doch als immer schwieriger herausstellt, in Bezug auf den Verkauf dessen, denn die Weintrinker-Gemeinde trinkt doch seit einigen Jahrzehnten nun mehr trockene Weine als die süßen. Hier ist allerdings der Süßwein nicht so zustandekommen, das dem Wein Zucker oder weiterer Alkohol zugegeben wird, sondern in der Region Sternes kann der Botrytis Pilz die Weintrauben im Spätsommer und Herbst so angreifen, durch Nebel in den Vormittagsstunden, das die Trauben aufplatzen und die sogenannte Botrytisfäule beginnen kann, was der Traube primär das Wasser entzieht. Somit werden in dieser Region von einem Weinstock also nicht die Menge Wein für eine Flasche, sondern gerade einmal für ein Glas geerntet.
  
So zeigten sich uns also in den letzten Septembertage die Trauben am Weinstock, welche schon recht weit in der „Reife“ des Botrytisbefalls waren. Es wurde auch hier schon geerntet, wobei hier bei der Lese mehrfach durchgegangen wird, und die Trauben ist einzeln vom Stock entnommen werden. Nach einem kleinen Rundgang durch die Keller ging es dann hier auch zur Verkostung.


Wir durften 3 verschieden Jahrgänge verkosten und begannen mit dem jüngsten Jahrgang, was sich dann auch deutlich zeigt, wie die leeren Tropfen sich weiterentwickeln.
2013, 2006 und 1999 sollten es in der Reihenfolge sein.
2013 mit feiner komplexer Nase und frischem Anklang. Eine sehr dichte Süße mit ein wenig Säure von Früchten, welcher sich in den Jahren wohl recht gut entwickeln müßte. (16/20)
2006 zeigt sich dann etwas verhalten in der Nase. Leicht dumpf mit Caramelnoten, lange am Gaumen mit Honignoten und einer dichten Fruchtsüße. Sehr schöne komplexe Noten im Abgang. (17+/20)
1999 zeigt sich mit honiggelber Farbe und einer sehr feinen leichten Nase mit viel süßen Noten. Würzig und leicht rauchig im Abgang sehr fein aber etwas weniger Säureanteil, der sich wohl schon etwas abgebaut hat. (17/20)

Abschließen sein zu diesem Tag zu sagen, das er in sich recht stimmig war, das Wetter ausgezeichnet mitgespielt hatte, und der Mittagstisch auf Chateau Haut-Bailly natürlich das Seinige für den gesamten gelungenen Tag beigetragen hat.


 

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