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Weinreise ins Bordeaux, der vierte Tag

Am letzten und vierten Tag dieser sehr intensiven Weinreise sollte es in das Süßweingebiet Sautern, südöstlich von Bordeaux gehen. Durch die klimatischen Besonderheiten im Sautern, un den darum herum gelegenen Gebieten kann hier auf natürliche Art, durch die Botrytis, ein Süßwein entstehen, wie er sonst nur noch in der Region Tokay in Ungarn und in der Region um den Neusiedler See in Österreich entstehen kann. Die morgentlichen Nebel zur Traubenreifezeit im September, Oktober lassen den Pilz Bptrytis die Trauben so befallen, das das Wasser entzogen wird und sich der Zuckergehalt in den Trauben stark anreichert. Bei entsprechender Vinifizierung kann dann daraus ein Süßwein gekeltert werden. Trotzdem werden auch hier in der Region immer mehr trockene Weine geerntet und ausgebaut, wie ich später zum Weingut Yquem schreiben werde, denn rechtzeitig geerntet sind die Trauben heil, ganz normal für die Bereitung eines trockenen und frischen Weißweines.
An diesem vierten Tag ging es also zu folgenden Chateaus:

Ch. Yquem
Ch. Guiraud
yquem_schloss
Auf Chateau Yquem machten wir zunächst einen kleinen Rundgang durch die Anlage und dann einen Besuch in den Faßkellern wo gewaltige Mengen an Barriques lagern, die für jedes Jahr ca. 100.000 Flaschen reichen. Vom trockenen Weißwein auf Ch. Yquem, welcher „Y“ genannt wird werden ca. 10.000 Flaschen seit einigen Jahr erzeugt. Da ich bereits 2008/2009 und 2011 auf Ch. Yquem war, besuchten wir diesmal einen neuen Verkostungsraum, der hell, weiträumig angelegt ist und auf den Wänden mit dem Logo des Chateau versehen. Mehr dazu auf dem Bildern weiter unten. Verkosten konnten wir diesmal 2 Weine, welche der trockene „Y“ aus 2014 und der klassische Süßwein aus 2010 war.
Zu den einzelnen Weinen der Verkostung:
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2014 „Y“, 75% SB, 25% Semillon. 7 gr. Restzucker.
10 Monate im Barrique. Sehr helles gelb. Sehr dichte feine Nase mit viel Druck. Pampelmouse. Recht kräftige Struktur am Gaumen mit mittlerer Säure. Lang anhaltender Nachklang. (17-18/20) ca. 135.- €
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2010 Ch. Yquem, 138 gr. Restzucker
Farbe mittleres helles Gelb mit rötlichen und leicht grünen Tönen. Sehr feine Honignase, etwas Lichi, Aprikosen und Karamell in der Luft. Am Gaumen ein sehr runder und gescxhlossener Ansatz wie fast eine Praline die im Mund aufplatzt. Sehr langer Abgang mit feinen süßlichen aber auch leichter Säure in ausgewogener Form. Sehr sehr langer Abgang mit immer noch leichtem Säureanklang. (19-20/20)
yquem_fasskeller
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yquem_verkostung



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Und dann ging es weiter zum Chateau Guiraud, welches zu einem gewissen Anteil auch der Familie Neipperg gehört, wo wir am Tag zuvor ja bereits auf dem Ch. Canon la Gaffelière zur Verkostung waren. Das Ch. Guiraud ist ein 1er Grand Cru Classée aus 1855, welches aber in den letzten Jahrzehnten eine recht bewegte Geschichte hinter sich hat. Erst seitdem es 2006 wieder neue Besitzer hat, kann es sich von der Qualität der Weine wieder langsam an die Klasse der weiteren Sautern Güter heranmachen. Auch hier war ich mit dem gleichen Veranstalter bereits mehrfach in den letzten Jahren was sich vielleicht auch in der Verkostung von diesmal 5 Weinen niederschlug. Das sollten in der Reihenfolge der Verkostung folgende Jahrgänge und Ausbau Sorten sein:
guiraud_flaschen
2014 Ch. Guiraud -„G“, trocken 50% Sem., 50% SB.
Frische helle Note in der Nase, mit leicht grünen Noten. Etwas flach und wenig Abgang. (15/20)

2013 Petit Guiraud, 65% Sem., 35% SB. (Zweitwein des Chateau)
Feine etwas dichte Nase. Schöne leichte Note für einen Süßwein. mit leicht grünen Tönen. (16/20)

2011 Ch. Guiraud, – alle Grand Vin mit 130 gr. Restzucker
Sehr feine Frucht und Nußnote am Gaumen mit noch recht heller Farbe. Sehr feine Note am späten hinteren Gaumen. (17/20)

2003 Ch. Guiraud
Honigfarbe, Karamell in der Nase. Sehr weich und rund am Gaumen. Für einen Wein aus dem sehr heißen Jahr 2003 präsentiert er sich ausgezeichnet. Man meint den Boden, das Terroir durchzuschmecken. Sehr feine Karamellnote. Super (18+/20)

1998 Ch. Guiraud
In der Nase ein mittelstarker Uhu Geruch. Der Wein scheint seinen Höhepunkt schon ein paar Jahre überschritten zu haben. Leichter Acceton Ton mit etwas oxidativen Noten. Somit leider ein etwas unsanfter Abschluss der Reise, was dem Gesamtbild aber keinen Abbruch tut. (14/20)
guiraud_verkostung



Mein erstes Fazit zu dieser Reise im Oktober 2016 kann folgendermaßen lauten:

Mit einer kleinen Gruppe von 7 Personen, inklusive Reiseleiter, kann es nicht nur auf den Weingütern bei den Verkostungen und den Besichtigungen sehr angenehm sein, sonder auch an allen drei Abenden, wo wir meist gemeinsam in ein Lokal gegangen sind, kann man sich viel zu den Weinen, dem Erlebten und den Spezialitäten der Region erzählen und erleben. Am ersten Abend ging es auf gut Glück einfach zu Fuß in die Altstadt und wir fanden recht schnell ein passendes Lokal mit einem großen Tisch für alle 7 Personen.

Am zweiten Abend ging es dann ins Bistro des Sommelier, wo ich in den vergangenen Jahren schon einige Male war und dort nicht nur das Essen konstant gut ist, sonder auch die Weinkarte mit den günstigen Preisen dein besonderes Highlight jeglicher Bordeaux Reisen.

Am dritten Abend ging es dann in ein neues Lokal, welches in die Richtung Asiatisch, aber ansich auch internationale Küche zubereitet. Hier im Restaurant Miles konnten wir ein ausgezeichnetes Menü verkosten, was dann in dieser Gruppe mit einigen Weinen begleitet wurde, die wir sonst auf den Weingütern ja nicht bekamen, denn in den Lokalen sind die Weine, welche wir auf den Chateaus besuchen kaum erschwinglich (außer im Bistro des Sommelier).

Zu erwähnen sein noch die ausgezeichnete Reiseleitung unter Peter Gallhofer mit seinem Reisebüro AOC Genusscréateure aus Wien.

Weinreise ins Bordeaux, der dritte Tag

An diesem Tag sollte es zu den Weingütern auf der rechten Seite der Gironde (rive droit) gehen. An diesem Tage sollten ebenfalls 4 Weingüter auf dem Programm stehen, wobei nicht zu vernachlässigen ist, das der Abend noch in einem ausgezeichneten Restaurant in der Altstadt von Bordeaux ein recht flüssiges und rundes Ende finden sollte. Wir beginnen in der Region St. Emilion auf dem Weingut Canon la Gaffelière, welches der Familie Neipperg aus Württemberg gehört, das in den frühen 70er Jahren des letzten Jahrhunderts hier als eines der ersten Weingüter von einem Deutschen aufgekauft wurde. Zum Familienbesitz gehören heute auch noch 5 weitere Weingüter in der Region Bordeaux, eins in Bulgarien, und die Familie Neipperg ist an dem Weingut Ch. Guiraud im Sautern beteilgt, welches wir am vierten Tag besuchen werden. Wir sind mit dem Kleinbus pünktlich um 10 Uhr im Weingut und werden von einer jungen Dame in französisch durch die wesentlichen Teile des Weingutes mit Erklärungen herumgeführt. Da sich die Weinreben und Anlagen dieses ca. 19 ha großen Weingutes direkt um das Haus befinden können wir auch einige Erklärungen direkt zwischen dem Reben, welche gerade erst seit ein paar Tagen abgeerntet waren erfahren. Unser Reiseleiter Peter Gallhofer übersetzte die Ausführungen der Dame und fügte dann aber auch immer wieder einige seiner Erklärungen zum Weinbau, seiner Vinfizierung etc. hinzu. Schließlich ging es zur Verkostung wo wir hier von 4 der im Neipperg befindlichen Güter Weine aus den Jahrgängen 2013, 2012, 2011 und 2004 verkosten konnten. Im Einzelnen waren das die Weine wie folgt:
canon_la_gaf_4weine
2013 Clos de l’Oratoire, 90% CF, 10% M.
Sehr würzige Nase und feine Struktur. Recht junge Note mit feiner Gewürzstruktur. Leichte Tannine, und noch recht junge Note der mittleren Tannine. (16/20)

2012 Ch. l’Aiguilhe, 80% M, 20% CF. 40% neues Holz
Sehr feine dichte und fruchtige Nase. Feine Säure und frische Frucht am Gaumen. Langes Leben dürfte hier dem Wein bevorstehen. Leichte Säure am späten Gaumen. (16+/20)

2011 Ch. Canon la Gaffelière, 60% M, 32% CF, 8% CS.
Sehr vordergründige volle Nase mit hellen Fruchtnoten. Sehr schöner Gaumen mit frischen Schokoladenoten, Kirschkerne. Wunderbare Struktur mit eingebundenen Tanninen und feiner Würze. (17+/20)

2004 La Mondotte, 80% M, 20% CF. Nur 10% neues Holz.
Sehr feine Nase, und sehr elegant am Gaumen. Mit feinen Ledernoten, und Pilzen sowie feiner und eleganter Fluss am Gaumen. (18-19/20)
canon_la_gaf_verkostungsraum
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Dann geht es nach einem langen und ausführlichen Aufenthalt bei Ch. C. la Gaffeliére zum nächsten Weingut Chateau Figeac. Auf diesem mit 40 ha Weinreben , welche interessanterweise hier hauptsächlich auf Kiesboden stehen werden zu je ca. einem Drittel Merlot, CS und CF angebaut. Somit werden auch die beiden Chateau Weine in der Regel fast immer zu je einem Drittel mit diesen Drei Trauben cuvetiert. Wir bekommen als hier einen Zweitwein der Petit Figeac heißt und den Grand Vin des Chateau Figeac aus folgenden Jahren:
ch_figeac_flasche_2011
2012 Petit Figeac, 1/3 M, CS und CF. (Kostet ca. 30.- €)
Feine gute Nase mit Gewürzen und Anklang von Orangenschale. Frische Note mit schöner Struktur. Sehr schne Länge am Gaumen mit reifen Früchten. (17+/20)

2011 Ch. Figeac,  1/3 M, CS und CF.
Angenehme tiefe Note mit reifen dichten Fruchtnoten. Sehr feine Struktur am Gaumen mit reifen Früchten. Seh feine gleichmäßige und ausgewogene Struktur mit langem Abgang. (17-18/20)
ch_figeac_verkostung
ch_figeac_fasskeller



Nach einem kleinen Mittagessen in St. Emilion geht es dann am Nachmittag zunächst auf das Weingut Chateau Gazin. Ich selber war bereits in den Jahren 2009 und auch 2011 bereits zu Weinverkostungen auf diesem Weingut mit dem gleichen Veranstalter und aus Anlass einer Weinreise hier im Bordeaux Gebiet. In diesem Jahr sollte wir den Wein aus dem Jahr 2014 verkosten können der gerade erst im Frühjahr abgefüllt worden war. Irgendwie war der Gutsbesitzer sehr gesprächig bei der diesjährigen Führung, was sich allerdings nicht auf die Großzügigkeit seiner Verkostung niederschlagen sollte, denn es gab nur einen Wein zu verkosten.
ch_gazin_flasche_2014
2014 Ch. Gazin, 95% M, 5% CF.
Sehr schöne dichte Nase, ein wenig mit kühlen Anflüchten. Noch leichte Tannine mit sehr feinen Fruchtnoten. Sehr feine und leichte Struktur in Verbindung mit der Säure. (17+/20)
ch_gazin_presse  ch_gazin_fasskeller



Das vierte Weingut an diesem Tag sollte Ch. Valandraud sein, welches wir allerdings nicht direkt vor Ort besuchen konnten, sondern wir fuhren mit dem Kleinbus wieder nach St. Emilion zu einer Weinboutique, wo wir dan einige der Weine des Ch. Valandraud verkosten konnten. Wir konnten in dieser Weinboutique auch noch einige andere Weine verkosten, wobei ich hier nur auf die drei Valandraud Weine eingehen will, die wir auf der Terrasse bei noch ein wenig schönem Spätherbstwetter genießen konnten.
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2012 Spirit de Valandraud, 70% M, 30% CF. ca. 19 €
Sehr fruchtige feine Nase. Runde Frucht mit feinem spätem Tannin. Gute Struktur und langer Abgang. Gute lange Note mit dichter Frucht. (15-16/20)

2011 Virgine de Valandraud, 50% M, 20% CS, 20% CF, 10% PV. ca. 35 €
Weniger Nase, welche sich langsam öffnet. Recht dichte Note. Feste Struktur und recht komplex (16-17/20)

2013 Grand Vin de Ch. Valendraud, ca. 135 €
Sehr feine Struktur mit noch leichten Tanninen, welche ausgereift wirken, obwohl schwieriges Jahr in 2013. (17+/20)
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Betonei bereits im Jahr 2010 im Ch. Valandraud gesehen.


 

Weinreise ins Bordeaux, der zweite Tag

An diesem zweiten Tag der Bordeaux Weinverkostungen und Chateau Besuche sollte es an das linke Ufer, genannt rive gauche, gehen. Die Weingüter die wir besuchen sollten waren da:

Château Palmer
Château Léoville Barton
Château Pichon Longeville Comtesse de Lalande
Château Haut-Marbuzet

An so einem Tag, wo uns 4 großartige Weingüter bevorstehen, waren wir alle im Kleinbus auf der Fahrt aus Bordeaux an dem Montagmorgen wieder einmal sehr gespannt, was da auf uns zukommen sollte. Zwei dieser Chateaus hatte ich bisher auch noch nicht besucht, somit stieg auch meine Spannung entsprechend meinen Erwartungen auf großartige Weine und interessante Weingüter im Medoc. Die Weinregion am linke Ufer ist geprägt von Cabernet Sauvignon, Merlot und Petit Verdot. Da also am linken Ufer die CS Trauben und auch der Boden dazu mit vielen großen und mittleren Kiseln aus der Eiszeit dominieren, werden die Weine hier ein wenig kantiger und rauher als am rechten Ufer. Los geht es also auf Ch. Palmer.
ch_palmer_schloss
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Ch. Palmer bewirtschaftet ca. 66 ha wo in diesem Jahr die letzte Ernte a, 12.Oktober 2016 mit dem Petit Verdot vollzogen wurde. Das Weingut ist seit 2009 Bio zertifiziert, und seit 2014 auch als Bio-dynamisches Weingut anerkannt. Wir verkosten 2 der klassischen Weine dieses Weingutes welches da sind:
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2011 Alter Ego (Zweitwein) mit 48% Merlot, 37% CS, 15% PV.
Sehr direkte Note in der Nase, würzig und mit hoher Dichte und Druck. Der große PV Anteil bringt einen interessanten  Anteil an kräftigen Noten und einem kräftigen Abgang. (16-17/20)

Der zweite Wein den wir verkosten ist der Grand Vin des Ch. Palmer aus 2007.
2007 Ch. Palmer, 49% Merlot, 51% CS, 7% PV.
Sehr florale und blumige Nase mit langem Nachhall. Dichte Note mit frischen Minzenoten und langem Abgang am Gaumen, welcher sich nachhaltig auf den Gesamteindruck legt. Sehr schöne Struktur und volle kräftige Noten am Gaumen, welche in komplexen Fruchtnoten sich langsam den Rachen hinunterzwengen. Sehr fein und absolut super. (18-19/20)
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ch_leoville_barton_verkostung
Dann geht es im Kleinbus zum nächsten Weingut in der Region mit Namen Château Leoville Barton. Hier wird der Wein auf eine recht traditionelle, aber nicht desto weniger klassische Art und Weise produziert die uns wie folgt präsentiert werden sollte. Die alkoholische und anschließende malolaktische Vergärung passiert hier in ca. 10-14 Tagen im großen Holz, und anschließen werden die Wein direkt im kleinen Hilz, dem Barrique für ca. 3 Monate gereift, und dann nach einem Abzug und einer Schönung mit Eiweiß für weitere 10.16 Montae in den kleinen Holzfässern zur finalen Reife gebraucht. Wir bekommen hier auf dem Weingut drei Weine zur Verkostung welche da sind:
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2012 Mauvesin Barton mit der Cuvetierung 48% M, 35% CS, 14% CF, 3% PV.
Mechanische Ernte. Mit leicht grüner Note in der Nase, ein wenig leichte Schokonote und ein wenig Säure am Gaumen. (15/20)

2015 Longoa Barton,
Sehr feine weiche Nase, mit leichter süßlicher Note. Viel Frucht am Gaumen mit reifen Früchten  und recht frischen Noten am Ende des Gaumens im Abgang. (17/20)
ch_leoville_barton_flaschen
2015 Grand Vin Ch. Leoville Barton, 86% CS.
Sehr kräftige Nase. Sehr interessante kräftige Note mit Rauch und richtigem Feuer. Dicht und ausgewogen mit kräftigen Tanninen. Ausgezeichneter Abgang. (18/20)



Nach einem gemeinsamen Mittagessen im Restaurant Salamandre in Pauillac geht es zum Weingut Château Pichon Longeville Comtesse de Lalande.
Hier war ich bereits zweimal in den letzten Jahren auf einer Verkostung mit dem gleichen Veranstalter, jedoch hat sich auch hier das verdiente Geld der letzten einträglichen Jahre in einem enormen Investment in Keller und Vinifiziertechnik, sowie Gebäude-Investment niedergeschlagen. Das interessante an diesem Tag war, das die Ernte der roten Trauben, so Ende Oktober gerade kurz vorbei war, und wir somit die Vinifizierung der roten Traubensäfte live mitverfolgen konnten. Hier also ein paar wenige kleine Eindrücke aus den Kellern dieses Weingutes.
Der Weinsaft wird unter dem Tresterhut abgezapft und wie auf dem nächsten Foto zu sehen, wieder oben im Edelstahltank als Dusche darübergesprüht.
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Zu dieser eindrucksvollen Präsentation an Weinbereitung, welche uns gezeigt wurde, konnten wir auch hier, wie auf noch zwei weiteren großen Weingütern im Bordeaux, eine Maschine entdecken, welche mit Laser die Trauben der Ernte auslesen. Nach Aussagen des Weingutes werden die Trauben per Optik erkannt und können nach Größe, Form, Reife und Farbe per Laser erkannt werden und laufen in hoher Geschwindigkeit über ein Förderband, welches so konstruiert ist, das die als „falsch“ erkannten Trauben per Luftdruck aus der gelesenen Menge herausgeblasen werden.  Diese Laser-Trauben auslese Maschine kostet ca. 150 Tsd. € und sieht recht unscheinbar von außen aus:

comtesse_laserselektion

Nun zu den verkosteten Weinen die da waren:
2011 Reserve de la Comtesse, 43% CS, 49% Merlot, 18% CF.
Geschmeidige dichte Nase mit leichter florale Note. Noch recht strenge Note der Tannine, später leichtere Säure. Etwas leichte flüchtige Note am Gaumen. Runde Struktur und feine Komplexität mit weichen Noten (17/20)

2005 Grand Vin de Chateau, 64% CS, 29% M, 6% CF, 1% PV.
Wirkt noch immer jung in der Nase, gewürziger Geschmack am Gaumen. Sehr kräftige dichte Note mit Druck. Noch langer nachhaltiger Nachhall. Sehr feine komplexe Note mit viel Struktur und feiner Säurestruktur. (18-19/20)
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Zum Abschluss dieses Tages ging es zum Weingut Ch. Haut Marbuzet, welches immer noch im Familienbesitz ist und in den letzten Jahre auch so gut gewachsen ist, das es sich auf zwei weiteren Weingütern eingekauft hat. Dieses Familienweingut hat eine bewegte Geschichte in den letzten gut 60 Jahren hinter sich und begann 1952 mit gerade einmal 7 ha Weinreben, welche heute auf Haut Marbuzet zu inzwischen 75 ha angewachsen sind.

haut_marbuzet_ch

Auch hier war in den Kellerräumen noch die volle Ernte mit der Weintraubenverarbeitung im Gange und wir konnten ein wenig die Vorgänge der Verarbeitung beobachten.

haut_marbuzet_keller
Das zeigt sich zwar nicht in den Barrique Kellern, jedoch tobten dafür um s mehr die Mitarbeiter in den anderen Kellern mit der Presse, dem Trester der bereits vergorenen Trauben und diversen Edelstahlgeräten herum, die für die Weinbereitung notwendig sind.

Wir durften hier 4 Weine verkosten die sich wie folgt präsentierten:
2009 Ch. Layuga Dubose, 55% CS, 40% M, 5% PV.
Sehr reife Note in der Nase mit Frucht. Vordergründig wenig am Gaumen, aber dann sehr hoher Dichte und kräftig mit guten Tanninen und breiter langer Frucht am Gaumen. (16+/20)

2012 Ch. Chembert, 70% CS, 30% Merlot.
Weiche runde Note mit leichten Tanninen und Säurenoten  am Gaumen. Mittlere kräftige Note mit etwas spätem Anklang am Gaumen. (16/20)

2012 Ch. Haut Marbuzet, 50% Merlot, 50% CS.
Feine Nase und sehr weiche Note mit feiner fruchtiger Note und feiner Fruchtstruktur. Mit feiner Schokonote und hellen Noten am Gaumen. (16-17/20)

2013 Ch. Haut Marbuzet, 30% Merlot, 65% CS, 5% PV.
Bei etwas weniger Nase und recht guter Struktur. Sehr schöne Tannin und Säurestruktur, wobei der Gesamteindruck ein wenig verschlossen wirkt. (17/20)

Und auch hier im Bordeaux werden Experimente mit Betoneiern gemacht, was wir im Keller live mit diesem Foto belegen können:
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Weinreise ins Bordeaux, der erste Tag

An diesem ersten Tag der viertägigen Weinreise ins Bordeaux waren wir mit einer kleinen Gruppe von 7 Personen unterwegs, was sich bald als lustige, unterhaltsame und richtig trinkfeste Gesellschaft herausstellte. Auch wenn einige aus der Gruppe an diesem ersten Tag mit der Anreise durch Nebel in Paris etwas Verspätung hatten, konnten wir durch eine gelungene Organisation der Reiseleitung zu der geplanten Besichtigung und Verkostung zu dem Weingut Chateau Smith Haut Lafitte in die Region Graves fahren.
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Smith Haut Lafitte ist nach der Klassifikation ein Grand Cru Classé de Graves in der Region Pessac-Leognan, welches seit 1990 ein Bio-Weingut in Familienbesitz ist. Eine großartige Anlage aus im wesentlichen Holzkonstruktions-Häusern, die auch ein Wellnesshotel und eine Faßbinderei beherbergen, welche eine von dreien auf den Weingütern in der Region Bordeaux ist. Auf Smith Haut Lafitte war ich bereits mehrfach in den letzten 8 Jahren und komme sicher immer wieder gerne dorthin, da sich der Stil der Weine aus der Region und speziell von dieser Adresse eine spezielle und angenehme Seite hat. Auf ca. 78 ha werden die Weine angebaut, wovon 12 ha mit weißen Reben bepflanzt sind.

Nach einem kleinen Rundgang durch die Produktion und die Kellerräume konnten wir dann zu einer Verkostung der beiden Chateau-Weine schreiten. Im Einzelnen waren das dann ein weißer und ein roter aus dem 2012er Jahr.
smith_haut_laf_keller
2012 Chateau Smith Haut Lafitte, blanc,- Sauvignon Blanc (SB), Semillon (SE), Sauvignon Gris (SG).
Sehr intensive kräftige Nase mit frischem leichtem Holzton. Sehr breiter Gaumen mit sehr kräftiger festem Druck am Gaumen. Mittellanger Abgang. (17-18/20)

2012 Chateau Smith Haut Lafitte, rouge, – 55% Cabernet Sauvignon (CS), 35% Merlot (M), 9% Cabernet Franc (CF), 1% Petit Verdot (PV).
Sehr feine Nase mit wenig Tanninen. Am Gaumen feine Marzipannote, leichte Tannine am Rande mit etwas Säure und feinen Noten von dunklen Früchten. Sehr schöne Komplexität mit Leichtigkeit und Eleganz. (17+/20)
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2015er Riesling GG Probe bei furore/rot-weiss-rot in München

20 verschiedene Rieslinge aus 2015, welche erst seit Anfang September auf dem Markt sind, standen bei furore/rot-weiss-rot zur Verkostung an. Einen Ausreißer gab es, der aus dem Jahr 2014 stammen sollte. Der Weinhandel furore/rot-weiss-rot hat sich seit ein paar Jahren in einer ehemaligen Schreinerei gut eingerichtet und im Empfangsbereich wurden auf zwei separaten Tischen jeweils 10 der Großen Gewächsen aus einer gut gekühlten Edelstahlbox ausgeschenkt. 20.- € Eintritt (ohne Anmeldung) und 20.-€ Pfand für das Zalto Glas, welches sich für die anstehenden Rieslinge ausgezeichnet eignete. Liste in die Hand, welche gleich in meiner Tasche verschwand, da ich natürlich mein Weinverkostungsbuch dabei hatte. Dort gehen alle Notizen ein, welche ich auf den Weinreisen und Verkostungen so notieren will und muß, denn alles im Kopf behalten ist bei der Vielzahl der Weine, welche im Laufe des Jahres so anstehen, schlicht einfach nicht möglich.

Am ersten Tisch stehen also folgende Tropfen zur Verkostung an:
St. Antony – Hipping (Rheinhessen)
Sehr fruchtige Nase, feste dichte Struktur, feine Frucht mit langer und breiter, anhaltendem Säurespiel am Gaumen. (16,5/20)

Kühling-Gillot – Hipping (Rheinhessen)
Recht kräftige und dichte Nase mit sehr feiner Säure und kräftiger Struktur. Zitrone und Limonen. (17/20)

Kühling-Gillot – Pettenthal (Rheinhessen) 
Kräftige Nase mit noch etwas stärkerer Säure am Gaumen wie der Hipping. Fast schon dichte Zitrone mit recht ausgewogener Struktur. (17+/20)

Wittmann – Aulerde (Rheinhessen)
Feine Fruchtnase, recht kräftige Säure im Vordergrund bei etwas einseitiger Struktur. Wirkt noch recht jung und längst nicht ausgereift. (15/20)

Battenfeld-Spanier – Frauenberg (Rheinhessen)
Sehr feine ausgewogene Nase. Feine Frucht-Säure Struktur, wobei die leicht scharfe Säure überwiegt. Noch recht jung am Gaumen. (16/20)

Wechsler – Morstein (Rheinhessen)
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Sehr fein ausziselierte Nase. Am Gaumen dann sehr fein mit Säure von sehr unterschiedlichen Nuancen und feinen Spitzen von Äpfeln, feine fast sandige Struktur mit sehr breiter Note von Struktur des Bodens. Mein absoluter Favorit (18+/20)

Wittmann – Morstein (Rheinhessen)
Verhaltene Nase. Etwas Säure mit mittlerer Frucht. Etwas unausgewogen. (15+/20)

Van Volxem – Goldberg (Mosel)
Sehr präsente und dichte Nase. Wunderbarer Gaumen mit mittlerer Säure und leichter Frucht die sich erst recht spät am Gaumen zeigt. (16-17/20)

Leitz – Roseneck (Rheingau)
Mittlere Note in der Nase. Leicht bittere Anflüge an Säure. Am Gaumen noch leicht unreife Noten. (15/20)

Leitz – Schlossberg (Rheingau)
Sehr verhaltene Nase. Feine Frucht mit mittlerer Struktur. Ebenso etwas unreife Note bei weniger Abgang. Wirkt noch sehr verschlossen. (15+/20)

Und am zweiten Tisch stehen dann folgende Rieslinge:

Schäfer-Fröhlich – Frühlingsplätzchen (Nahe)
Sehr reife Note in der Nase. Fast noch leichte Vergärungsnoten nach Rosinen und sehr reife Fruchtnoten. (16/20)

Gut Hermannsberg – Rotenberg (Nahe)
Weniger Nase mit feiner Säure und leichter Schärfe. Mittlere Struktur und ein wenig Frucht. (15-16/20)

Dönnhoff – Felsenberg (Nahe)
Leichte und weniger Nase. Am Gaumen mittlere Struktur und wirkt noch recht jung. Mittlere Struktur und leichte Schärfe mit der auftretenden Frucht. (16/20)

Joh. Bapt. Schäfer – Goldloch (Nahe)
Feine mittlere Nase mit leichtem Druck. Sehr changierender Gaumen zwischen Frucht, Säure, Länge, Breite. Feste feine Fruchtnoten. (17/20)

Gut Hermannsberg – Kupfergrube (Nahe) – 2014
Dumpfe Nase, störender Fehler auch am Gaumen ? ? ? ohne Bewrtung

Von Winning – Ungeheuer (Pfalz)
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Sehr schöne frische Nase mit leichten flüchtiger Note. Struktur mit feiner Fruchtnote und sehr schöne feine Säure. (18/20)

Mosbacher – Ungeheuer (Pfalz)
Mittlere Nase. Recht schöne Struktur bei einer feinen Säure Frucht Struktur. (16+/20)

Knipser – Mandelpfad (Pfalz)
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Wenig präsent in der Nase. Sehr, sehr frische Frucht am Gaumen mit feiner und großartiger Struktur. Laaaaaaaaang. (18/20)

Rebholz – Im Sonnenschein (Pfalz)
Mittlere Nase, aber verhalten. Recht kräftige Struktur mit Säure, Fruchtspiel nach Stachelbeere und leichten Zitrusnoten. (17-18/20)

Von Winning – Pechstein (Pfalz)
Fast agressive Nase mit dichter Note. Feine fruchtige Note mit langer Struktur. (17-18/20)

Mein Gesamtfazit zu dieser insgesamt sehr entspannten Verkostung von 20 GG Rieslingen aus Deutschland:

2015 wird sich wohl recht gut über einen mittleren Zeitraum entwickeln können. Einige der Weine wirkten immer noch recht jung und dürften so richtig zu Ihrer besten Klasse erst in 3-5 Jahren auflaufen. Da die meisten dieser GG Weine eine ordentliche Säurestruktur haben, können diese Flaschen aber auch ohne Probleme wohl 10 und mehr Jahre mit großem Genuss getrunken werden.


 

Kirchweihsonntag und Wein-kulinarischer Spaziergang in Iphofen

Am letzten Sonntag fand in Iphofen (Franken) wieder ein weinkulinarischer Spaziergang statt, der bei bestem Spätsommerwetter auf dem Marktplatz und in vielen der historisch schön hergerichteten Gassen stattfand. In Iphofen residieren 3 VDP Winzer welches mich dazu brachte mich an diesem Sonntag auf den Weg zu machen, diese Gelegenheit mir nicht entgehen zu lassen. Die VDP Winzer sind dort
• Hans Wirsching, bei dem eine spezielle Scheureben Verkostung stattfand.
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• Johann Ruck, dessen Weingut direkt am Marktplatz liegt.
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• Johann Arnold, der an diesem Sonntag sein Weingut nicht geöffnet hatte.
Los ging es um ca. 11 Uhr auf dem Marktplatz mit einer Ansprache des Bürgermeisters vom Rathaus-Balkon, der sich als Treppenaufgang darstellte, und alle umstehenden  gekommenen  Gäste konnten sich ein Glas Silvaner holen der für die ersten Gäste ausgeschenkt wurde. Nach der Musik durch den Musikverein der Bergmänner aus Iphofen, wo heute noch für eine große Firma Kalk und Baustoffe abgebaut werden, machte ich mich auf eine kleine Runde durch die Stadt, wobei ich bei der Vinothek der Ortschaft Iphofen vorbeikam und mich dann auf den kurzen Weg zur ersten Verkostung beim Weingut Hans Wirsching machte.
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Hier konnte man in dem großzügig eingerichteten Verkostungsraum 5 verschieden Scheureben aus dem Jahrgang 2015 verkosten, welche mit dem Weingut Hans Wirsching befreundet und wohl auch eng verbunden sind. Die einzelnen Weine in der Reihenfolge:
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• Weingut Gross, Steiermark, Sämling 88 Scheurebe Steirische Klassik

  • Feine Nase mit recht dichtem Gaumen und kräftiger Frucht. Schöne Pfirsichnote bei feiner und kräftiger Struktur. (16+/20)

• Weingut Kühling -Gillot, Rheinhessen, QVINTERRA Scheurebe trocken (VDP)

  • Mineralische Nase und sehr kräftig. Der säurehaltige Mund mit Apfelnoten unterstützt die kräftige Noten mit einer feinen Säure. 16-17/20)

• Weingut Wegmüller, Pfalz, Märchenzauber Haardter Herrenletten Scheurebe Spätlese
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  • Starke Fruchtnote mit feiner Ziselierung. Präsente Säurenote mit einem kräftigen Fruchtspiel. Der Restzucker schmeckt ein wenig heraus, was sich fast schon zu einer Dessertweinnote entwickelt. (15-16/20)

• Weingut Hans Wirsching, Iphofen

  • Iphöfer Scheurebe Kabinett trocken

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  • Verhaltene Nase, dafür sehr kräftige mineralische Noten am Gaumen. Ein wenig medizinisch am Gaumen mit einer leichten Schärfe. Sehr schöner Essensbegleiter. (16/20)
  • Iphöfer Kalb Scheurebe Kabinett

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Sehr feine Nase bei dichter Struktur mit langem Nachgang am Gaumen. Schöne Fruchtstruktur am Gaumen mit feiner, ziselierter ausgeglichener Note nach roten und gelben Südfrüchten. (16-17/20)Nach dieser ersten Verkostung suchte ich mir ein Lokal für ein Mittagessen, was bei dem guten Ansturm der Besucher garnicht so einfach war, ich aber dann doch erfolgreich einen Teller Gulasch mit Nudeln ergatterte, welche aber nicht weiter erwähnenswert sein sollten.

Das nächste Weingut, welches ich besuchte war das VDP Weingut Johann Ruck, welches mitten in der Ortschaft fast direkt am Marktplatz liegt. Mit einem sehr imposant illuminierten Eingangsbereich mit Großfotos und Bodenprofilen der eigenen Weinlagen konnte man diverse gute Tropen der Weinlage verkosten.
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Dann ging es bei mir auf den Iphöfer Weinwanderweg, der mit einigen erklärenden Tafeln zu den verschiedenen Traubensorten ausgestattet ist, welche hier in der Region angebaut werden. Silvaner, Scheurebe, Müller-Thurgau, Riesling, Rislaner, Weißburgunder, Grauburgunder, Domina, Dornfelder und manche Andere Sorten.
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Am Ende des Schwanberg, geht der Weinwanderweg in einen geo-ökologisch Lehrpfad über, der sich ebenso mit einigen interessanten Tafeln am Wegesrand präsentiert, der sich zwischen den Weinbergen am Hang nach unten orientiert, und dem Wald, der sich auf den Höhen des Schwanberg erhebt. Und da dieser Spätsommertag recht heiß war, konnte man auch diverse Tiere am Wegesrand beobachten, welche sich sonst nicht immer so beobachten lassen.
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Brasserie Lamazère in Berlin

Da ich zu einer Messe über das Wochenende in Berlin weilte, hatte ich mal wieder die Gelegenheit in der Stadt einige Lokale am Abend zu besuchen. Da es leider auch hier in Berlin auf dem Messegelände oft nur gruselige Mittagsangebote gibt, freute ich mich umso mehr, das am zweiten Abend wir zu zweit ein Lokal ausgesucht hatten, welchen mitten in Charlottenburg am Stuttgarter Platz gelegen, mit einigen kleinen Tischen auf dem Trottoir schon mal sehr einladend wirkt. Da wir nicht reserviert hatten, bekamen wir innen einen Zweiertisch, der sich aber vom Platz sehr angenehm erwies, da wir gut Luft durch das weit geöffnete Fenster hatten, aber auch das Bistroleben im Innern verfolgen konnten.
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Das Lamazère hat hier erst seit 2013 geöffnet, aber schon eine Reihe guter Kritiken erfahren, welcher ich mich ohne Einschränkungen anschließen kann. Aber nicht nur die Speisen, welche auf einer großen Schiefertafel präsentiert werden, sondern auch die Weinauswahl, zu einigermaßen normalen Preisen, kann einen fast schon direkt ins Innere der Pariser Bistros versetzen. Wir waren erst der zweite Tisch im Lokal der besetzt wurde, denn bei dem schönen Wetter wollten natürlich alle draußen sitzen. Aber gegen später füllte sich das Lokal noch fast bis auf den letzten Tisch. Der Service war insgesamt sehr freundlich und zurückhaltend, so das wir ungestört unsere Unterhaltung in einem nicht wirklich lauten, weil angenehmer Atmosphäre, fortsetzen konnten. Wir bestellten Vorspeise und Hauptgang, wobei ich mir jeweils einen Wein dazu orderte.
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Meine Vorspeise  waren in einer Cocotte gedämpfte Eier mit Speck, Kräutern und einem gerösteten Knoblauchbrot. Auf den Punkt gegart, was mit so einer Cocotte auch meist ganz gut gelingt.
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Zum Hauptgang gab es dann ein Schweinebäckchen mit angedünstetem Blumenkohl und grünem Spargel. Ganz zart und perfekt gegartes Schweinebäckchen, wobei der Blumenkohl noch schön bißfest war, und der aufgeschnittene grüne Spargel sich als sehr frisch erweisen sollte.
Meine Bewertung hier an einem sehr gelungenen Abend:
18/20 Punkten


 

1 Jahr Olafs Gourmet Notizen im web

Liebe Gourmet Freunde, Abenteurer und Geniesser,

jetzt ist es bereits 1 Jahr her, das ich meinen Gourmet blog gestartet habe.
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Aus diesem Anlass hatte ich mir kurzfristig ein kleines Menü ausgedacht und drei Freunde zu mir eingeladen, welche meine „Kochkünste“ mit verkosten sollten, und die dazu hoffentlich passenden Weine verkosten.
Was sollte es an diesem Abend also geben?
Amuse Geule: Thunfisch Tartar
Erste kleine Vorspeise: Löffel mit Miniburger von Thunfisch und Ziegenkäse
Vorspeise: Oktopus auf Wildsalat mit spanischer Flagge
Zwischengang: Pilzragout im Blätterteig- Förmchen
Hauptgang: 7 Stunden Lammkeule mit Tagliatelle
Dessert: Maccha-Eis und Blaubeersorbet mit Früchten
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Die Weine dazu:
Champagner Ayala, Brut Majeur
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Die weißen Sorten:
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Bod. Ostatu, 2012, Rioja
Franz Haas, 2010, Manna, Südtirol
A. Lageder, 2011, Löwengang, Südtirol
Ch. Smith Haut Lafitte, 1999, Bordeaux, Pessag-Leognan
Die rote(n) Sorte(n):
Domaine_l'Hortus_Magnum_2006
Domaine de l’Hortus, 2005, Pic Saint Loup, Coteaux du Languedoc, Magnum

Die Weingüter habe ich in den letzten Jahren alle besucht und konnte dort einige interessante Entdeckungen machen. An diesem Abend wurde insbesondere der Weißwein Manna von Franz Haas als herausragend gelobt und auch der etwas ältere Rote von Dom. de l’Hortus aus 2005 konnte sich zu dem 7-Stunden Lamm sehr gut behaupten. War ja auch aus der Magnum, welches durchaus positiv zu vermerken war.

Und nun zu den diversen Essensgängen, welche ich mir, bis auf den Hauptgang. der aus einem Kochbuch von Anthony Bourdain stammt, in der Woche zuvor ausgedacht hatte. Zur Sommerzeit, und es war ja gerade auch eine recht heiße klimatische Woche, wollte ich ein paar leichtere und frische Gerichte passend zu den verschiedenen Weißweinen kreieren.

Amuse Geule: Thunfisch Tartar
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Erste kleine Vorspeise: Löffel mit Miniburger von Thunfisch und Ziegenkäse
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Vorspeise: Oktopus auf Wildsalat mit spanischer Flagge
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Zwischengang: Pilzragout im Blätterteig- Förmchen
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Hauptgang: 7 Stunden Lammkeule mit Tagliatelle
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Dessert: Maccha-Eis und Blaubeersorbet mit Früchten
Maccha_Eis_Blaubeersorbet_Früchte

Zum Abschluß ein paar Worte zum abgelaufenen Jahr, welches mich immer wieder zu interessanten Essens- und auch Verkostungs-Gelegenheiten brachte, welche ich hier auf meinem blog kommentieren konnte. Weinnreise, diverse Weinverkostungen. Hoch- und Tiefpunkte in Restaurants, sowie eine Menge Erkenntnisse im Bereich der eigenen Küche, wo es nicht nur um den Geschmack, oder auch das frische Produkt geht, sondern in Verbindung mit meinem blog um die Fotos, das was ich dann darüber schreiben kann und wie es vielleicht ankommt. Aber insbesondere im Laufe diesen Jahres, wo auch mal wieder viel passiert ist, kam es mir nie auf die reine Präsentation der Gerichte, Weine und Ereignisse an, sonder es geht um Authentizität, Ehrlichkeit, Klarheit und Meinung, die ich dann auch gerne teile mit denen die sich hier und sonst auch mit mir darüber austauschen.


Wer zu diesem Jubiläums-Menü das eine oder andere Rezept haben möchte, schreibe mir einfach einen Kommentar, und ich kann ihm dann etwas dazu schicken.
Auf ein weiteres Jahr mit bon apétit und Prost
Euer Olaf.

Besuch zweier VDP Weingüter in der Region Württemberg

Im August sind zwar klassischerweise auch einige Weingüter wegen der Urlaubszeit geschlossen, doch konnte ich in diesem August zwei VDP Weingüter in Württemberg besuchen, welche ich bisher in dieser Breite und Verkostung so noch nicht kennengelernt hatte.
Das waren das Weingut Wöhrwag in Stuttgart-Untertürkheim und das Weingut Heid in Fellbach bei Stuttgart.
Weingut_Wöhrwag_Schild
Das Weingut Wöhrwag mit ca. 20 ha Anbaufläche ist bereits seit 1999 Mitglied im VDP und baut interessanterweise ca. 44% Riesling hier in Württemberg an.
Weingut_Heid_Eingang
Dagegen ist das Weingut Heid erst seit 2013 Mitglied im VDP und baut mit ca. 8 ha Anbaufläche ebenso mit 23% Riesling an, aber auch einige andere typische Sorten aus Württemberg wie Trollinger, Lemberger aber auch Portugieser.

Weingut_Wöhrwag_Flasche_Trollinger
Begonnen hatte ich beim Weingut Wöhrwag, welches in einer kleinen Gasse in Untertürkheim liegt und  mit einem offenen Innenhof einladend wirkt. Es wurden gerade Drucksachen angeliefert, was aber nicht weiter störte, welche durch den Verkostungsraum ins Büro getragen wurden. Ein freundlicher Empfang begrüßte mich und es ging im Verkostungsraum direkt zu den wesentlichen Weinen dieses Weinguts.
Weingut_Wöhrwag_Verkostung_1
Ich konnte 5 weiße und 8 rote Weine verkosten, welche alle sich in einem ausgezeichneten Zustand präsentierten. Einige Weine waren gerade erst einmal ein paar Woche auf die Flasche gekommen, was aber gerade einmal bei den Holztönen ein wenig hervorkam, aber nicht wirklich negativ zu Tage kam. Ich verkostete insbesondere die Ersten Lagen, welche meist aus dem Jahr 2015 stammten und meist sehr sortentypisch und auch frisch sich präsentierten. Auch gerade die Rieslinge, welche hier vermehrt angebaut werden, konnten wirklich überzeugen und sind wirklich erstaunlich fein von der Säure und dem Fruchtspiel für einen Württemberger. Ich führe das auch darauf zurück, das es in den letzten 10-20 Jahren eine enorm positive Entwicklung in den Kellern, aber auch in der Bewirtschaftung der Weinberge gegebene hat. Bei den roten Sorten konnten mich fast alle verkosteten Reben auf hohem Niveau sehr gut überzeugen und zum Abschluß gab es noch einen Cuvée X, der mit einer Cuvée aus 42% Merlot, 42% CS und 16% CF auch ausgesprochenermaßen in die Richtung Bordeaux cuvetiert wurde und von mir eine Note von 17+ erhalten hatte.


Heid_Portugieser_Fl
Dann mit dem Bus ein paar Kilometer weiter nach Fellbach zum Weingut Heid, welches ebenso mitten in der Ortschaft liegt und mich ebenso freundlich empfangen sollte wie im Weingut zuvor. Erst vor ca. 3 Jahren in den VDP aufgenommen, werden derzeit im Weingut einige Umbauten vorgenommen, was der Qualität der Weine keiinen Abbruch tut. Im Weingut Heid, welches auf ca. 8 ha auf 23% Riesling und weiterhin auf 18% Trollinger, 14% Lemberger und  14% Burgundersorten anpflanzt und weitere Rebsorten wie Portugieser und internationale Trauben im Sortiment hat. Hier konnte ich 5 weiße Sorten und 6 rote Sorten verkosten, welche sich ausgezeichnet präsentierten. Bei den weißen Sorten war mir insbesondere ein Cuvée aus Riesling (2/3) und SB(1/3) aufgefallen, wobei aber auch der reine SB mit einer sehr typischen Struktur aus 2015 sehr überzeigen konnte und von mir ein 17+ erhalten sollte. Bei den roten Sorten ging es mit einem sogenannten „PUE“ los, der mit leichten 11% alc. einen frischen noch leicht mussierenden Sommerwein präsentierten, den man wohl im gleichen Jahr trinken sollte, aber mit feinen Noten doch überzeugen konnte. Bei den roten Sorten konnte mich besonders der Lemberger von 2014 überzeugen, der mit einer feinen Säure und einer kräftigen vollen Struktur und Frucht einen langen Abgang zeigte (17+/20).



 

Paprika, Pilze, Pimentos Teller

Immer wieder gegen Ende einer regulären Arbeitswoche passiert es mir, das so ab Donnerstag oder Freitag, keine normale Zutaten zu Hause fürs abendliche Kochen zur Verfügung stehen. Kurz überlegt, was noch an Vorrat vom letzten Samstags-Einkauf vorhanden ist, und dann ein paar weitere Zutaten, nach Möglichkeit frisch, im nächstgelegenen Gemüseladen oder auf dem Markt etwas dazu eingekauft. Pimentos hatte ich noch vom Samstags-Einkauf zu Hause, also schaute ich nach einer weiteren Paprikasorte und dazu noch ein paar Pilze, welche dann schnell im Teller zubereitet sind. Die Pimentos mache ich mir auf dem Backblech im Ofen. Mit einer Gabel mehrfach anstechen, gut Olivenöl darüber und bei starkem Grill für 5-6 Min. garen. Die Pilze reinigen, die Paprika aufschneiden und säubern und mit einer Schalotte und vielleicht einer Knoblauchzehe in einer Pfanne gut anbraten. Alles auf einem Teller anrichten. Diesmal sind mir die Pimentos ein wenig zu dunkel geraten, was aber immer noch schmeckt, da dabei fast nur die Haut der Pimentos so dunkel wird.
Paprika_Pilze_Pimentos  Paprika_Pilze_Pimentos_Detail
Dazu trinke ich einen etwas leichteren, aber trotzdem sehr runden und vollen Württemberger vom Weingut Drautz-Able. Das VDP Weingut Drautz-Able liegt in Heilbronn und macht seit einigen Jahren einen Merlot der hier aus dem Jahr 2012 stammt. Drautz-Able ist einer der Mitbegründer der Vereinigung Hades, welche in Baden-Württemberg mit dem Barrique-Ausbau in den 60er/70er Jahren angefangen haben. Dieser Merlot macht sehr viel Spaß zu einem solchen Schmorgemüse mit Röstaromen, da hier fast überhaupt keine Tanninnoten mehr zu schmecken sind und auch keine Holztöne. Weicher Abgang mit sehr typisch burgundischer Note. Ein gelungener Wochenausklang.
Drautz-Able_Merlot_2012